Tag der Pressefreiheit. Journalismus in der Krise?
- Moritz Malmede

- vor 2 Tagen
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Foto von Roman Kraft auf Unsplash
Seit 1994 wird jedes Jahr am 3. Mai auf Verletzungen der Pressefreiheit aufmerksam gemacht.
Am Internationalen Tag der Pressefreiheit soll auch dieses Jahr die Bedeutung freier Berichterstattung für Demokratien betont werden. Jedoch sehen die Ergebnisse, zu denen „Reporter ohne Grenzen" in ihrem Bericht für 2026 kommen, alles andere als rosig aus. Zum ersten Mal seit der Entstehung der Rangliste der Pressefreiheit vor 25 Jahren fällt mehr als die Hälfte aller Länder dieser Welt in die unterste Kategorie. Das heißt, dass mehr als die Hälfte der Welt aufgrund von Repressionen gegenüber Journalist*innen auch keinen Zugang zu vielfältigen und wahrheitsgetreuen Informationen über nationale Politik und Weltgeschehen hat. Besonders die rechtlichen Rahmenbedingungen für Journalist*innen haben sich weltweit verschlechtert.
Oder in den Worten von Christian Mihr, dem Geschäftsführer für Politik und Strategie von Reporter ohne Grenzen:
„Nur noch einer von 100 Menschen weltweit kann sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren. Auch wenn wir den Niedergang der Pressefreiheit seit einem Vierteljahrhundert dokumentieren, bleibt dieser Befund dramatisch."
Wenn man auf die zum Bericht gehörende Weltkarte schaut, werden die Ergebnisse noch einmal anders deutlich. Die gesamte Welt ist rot-orange-gelb eingefärbt. Nur die skandinavischen Länder sowie Irland und Estland werden noch in Grün angezeigt – die letzte Bastion der Pressefreiheit im Norden Europas.
Auch Deutschland rutscht im Ranking immer weiter ab. Im Vorjahr schon auf Platz 10 gesunken, fiel Deutschland 2026 um vier Stellen auf Platz 14 der Rangliste. In der Nahaufnahme Deutschlands des Berichts werden vielfältige Gründe genannt. Am wichtigsten scheint für viele Journalist*innen die Delegitimierung und die Angriffe auf journalistische Arbeit aus dem rechtsradikalen Spektrum zu sein.
Ebenfalls haben Journalist*innen Schwierigkeiten im Kontext der Nahostberichterstattung. Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee durften oftmals nicht im gleichen Maße beleuchtet und kritisiert werden wie im Falle anderer Staaten und Kriege. Auch die Pressefreiheit auf palästinasolidarischen Demonstrationen und Übergriffe der Polizei gegen Journalistinnen sind ein Thema.
Besondere Gefahr wird auch in der Macht der großen Online- und Social-Media-Plattformen gesehen. Diese werden regelmäßig zu eigenständigen Medienakteuren mit eigener Agenda – wie zum Beispiel „X" von Elon Musk. Zudem favorisieren die Algorithmen aller Plattformen Desinformationen und extreme Inhalte. Auch aus der deutschen Medienpolitik gibt es kaum Unterstützung zur Stärkung von Journalismus und Medienvielfalt.
Wenn Journalist*innen Angst vor Repressionen haben müssen, wenn sie über bestimmte Themen berichten – wie den Angriff auf Gaza und die humanitäre Situation vor Ort –, werden wir uns ein immer weniger differenziertes Bild von der Lage machen können. Wenn wir keine Informationen mehr über Menschenrechtsverbrechen erhalten, sind wir nicht mehr weit davon entfernt, diese selbst als Unwahrheiten zu diffamieren. Gerade im Kontext der erstarkenden AfD mit ihrem Geschichtsrevisionismus eine beängstigende Vorstellung.
Wenn es für Journalist*innen gefährlich wird, über bestimmte Demos und Bewegungen zu schreiben, verlieren wir als Gesellschaft wichtige Informationsquellen. Wenn wir nicht mehr erfahren können, wer aus welchen Gründen auf die Straße geht, wenn wir keine Einblicke mehr zu Polizeigewalt und Übergriffen bekommen, erblinden wir ein Stück. Ebenso problematisch ist es, wenn nur noch einseitige Berichterstattung zugelassen wird. Wenn uns als Gesellschaft die Möglichkeit genommen wird, uns selbst ein Bild zu machen, fehlt uns bald die Fähigkeit, ein Für und Wider zu diskutieren und unsere Meinung frei zu bilden. Diese Fähigkeit ist und bleibt eine Grundlage unserer Demokratie.
Klar befindet sich Deutschland immer noch am oberen Ende der Rangliste der Pressefreiheit und hat weiterhin eine vielfältige Medienlandschaft. Zeitungen, Portale und Blogs verschiedener politischer Gesinnungen existieren und bieten interessierten Personen Zugang zu einer Vielzahl an Meinungen. In den sozialen Netzwerken können Individuen (fast) alles mitteilen und auf Zuhörerschaft hoffen.
Jedoch sollten die Probleme, die der Bericht von Reporter ohne Grenzen aufzeigt, nicht unter den Teppich gekehrt werden. Platz 14 auf der Weltrangliste ist kein Platz zum Ausruhen. Ein Abwärtstrend der Pressefreiheit in Deutschland ist zu beobachten und muss schnellstmöglich umgekehrt werden.


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