top of page

Antifeminismus: Keine Einzelfälle, sondern eine politische Ideologie

  • Autorenbild: Moritz Malmede
    Moritz Malmede
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Vom 04. Bis zum 09. Oktober findet unsere diesjährige PolitAkademie in Berlin statt. Das Thema: Antifeminismus. Als kleiner Vorgeschmack auf die Studienfahrt und auch für alle, die vielleicht nicht daran teilnehmen können möchte ich Antifeminismus einmal kurz in diesem Blogbeitrag einordnen.


Was ist Antifeminismus – und warum ist er mehr als Frauenfeindlichkeit?

Antifeminismus ist nicht mit einfachem Frauenhass, alltäglicher Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen gleichzusetzen. Zwar zeigt sich Antifeminismus auch in diesen Formen, geht jedoch weit über Einzeltaten hinaus. Es handelt sich um eine ideologisch motivierte Ablehnung von Geschlechtergerechtigkeit, die darauf abzielt, patriarchale Strukturen zu erhalten oder wiederherzustellen. Antifeminismus ist eine politische Bewegung, welche teils von Gruppen, teils von Einzelpersonen gesteuert wird.


Antifeminismus hat mehrere klare Feindbilder: Frauen-, LQBTQIA+-Rechte und „Gender-Ideologie“. Politische Ziele des Antifeminismus sind die Rücknahme von Gleichstellungsgesetzen, Abtreibungsverbote und die Wiederherstellung „traditioneller“ Familienmode. Eine Verstärkung bzw. ein Wiederaufbau einer stark patriarchalen Gesellschaft und eine Überordnung des Mannes über der Frau sind das Ziel. Es geht nicht um Kritik an einzelnen feministischen Positionen – es geht um die grundsätzliche Delegitimierung von Frauenrechten und das Zurückdrängen gesellschaftlicher Fortschritte.


Verbundingen zum Rechtsextremismus

Antifeminismus ist kein isoliertes Phänomen. Er ist ein Kernbestandteil rechtsextremer Ideologie. Die Amadeu Antonio Stiftung, das Bundesamt für Verfassungsschutz und zahlreiche Forschungseinrichtungen weisen seit Jahren auf diese Verbindung hin.


So gibt es viele Überschneidungen in den Weltbildern von Antifeministen und Rechtsextremisten. Sie teilen die Vorstellung einer „natürlichen Ordnung", in der Männer dominieren und Frauen auf reproduktive Rollen reduziert werden. Der Bezug auf (oft falsche) Beispiele der Natur wird auch Biologismus genannt. Auch ihre Feindbilder passen zusammen. Beide Gruppen bekämpfen das, was sie als „woke“ Gesellschaft, „Genderwahn“ und „kulturellen Verfall“ bezeichnen.

Für Rechtsextreme ist Antifeministischer (Online-)Content oft eine Art Einstiegsdroge. Wer mit Witzen über Feminist*innen, oder Vorstellungen eines „echten“ Mannes beginnt, landet in kürze auch bei Beiträgen, die Gewaltfantasien oder die „weiße“ Rasse verherrlichen. Den Algorithmen sei Dank.

Antifeministische Ideen finden sich in Manifesten vieler rechtsextremer Attentäter wieder – von Christchurch über Utøya bis Hanau. Die Täter bezeichneten Feminismus explizit als Bedrohung und sahen Gewalt gegen Frauen und marginalisierte Gruppen als „Widerstand".


Gewalt gegen Frauen: Online und offline

Antifeminismus ist keine bloße Meinungsäußerungund. Die Ideologie legitimiert und produziert Gewalt. Diese Gewalt zeigt sich mittlerweile vor allem im Internet. Journalistinnen, Aktivistinnen und Politikerinnen werden systematisch mit Hassnachrichten, Vergewaltigungs- und Morddrohungen überzogen. Diese Angriffe kommen zum einen daher, dass auf den Social-Media Plattformen eine gewisse Anonymität herrscht und Straffverfolgung oft nicht funktioniert, zum anderen, weil in Foren explizit dazu aufgerufen wird. Ebenso treten sogenannte Doxxingangriffe (das Veröffentlichen von Persönlichen Daten) immer häufiger auf. Ziel ist es Frauen aus Öffentlichkeit des Internets herauszudrängen. Betroffene von Online-Gewalt ziehen sich häufig aus den Räumen zurück, um sich selbst und Angehörige zu schützen. Gegenmeinung wird somit unsichtbar.


Auch offline gibt es zielgerichtete Gewalt gegen Frauen. Schätzungswiese jeden dritten Tag wird alleine in Deutschland eine Frau von einem (Ex-) Partner getötet. Wenn die einzelnen taten vielleicht nicht politisch motiviert sind, sind Sie dennoch ein Resultat einer Gesellschaft, die von dieser Ideologie beeinflusst ist. Die zuvor erwähnten Terroranschläge, sind die stärkste Auswirkung von Antifeministischer Gewalt. „Incel“-Terroristen, selbsternannte „unfreiwillig zölibatäre“ Männer verüben weltweit Anschläge immer wieder Anschläge, auch explizit mit dem Ziel Frauen zu schaden. Die Grenzen zwischen Online und Offline verschwimmen dabei zunehmend. Was in Foren als „Witz" beginnt, kann im realen Leben töten.


Die Ziele der antifeministischen Bewegung

Antifeministen haben die Abschaffung von Gleichstellungsmaßnahmen und Genderforschung, die Kriminalisierung von Abtreibung und ein Kampf gegen die Selbstbestimmungsrechte über den eigenen Körper als Ziel. Ebenso sollen LGBTQIA+-Rechte abgeschafft werden, Trans-Rechte und Diversity-Programme werden als Angriffe auf die Familie gesehen und die „traditionellen“ Geschlechterrollen sollen wieder hergestellt werden.

Diese Ziele sind nicht abstrakt. Sie finden sich in Parteiprogrammen, in Gesetzesentwürfen, in Medienstrategien auf der ganzen Welt wieder.


Was kann man dagegen tun?

Antifeminismus beim Namen nennen. Nicht als „konservative Meinung" verharmlosen, sondern als das benennen, was er ist: eine menschenfeindliche Ideologie, die Gewalt legitimiert und demokratische Grundwerte untergräbt.

  • Betroffene schützen: Ressourcen für Beratungsstellen, Rechtshilfe, digitalen Schutz

  • Bildungsarbeit leisten: Medienkompetenz, Demokratiebildung, Aufklärung über Radikalisierungswege

  • Politisch handeln: Hate Speech konsequent verfolgen, Plattformen in die Verantwortung nehmen

  • Zivilgesellschaft stärken: Feministische Stimmen sichtbar machen und unterstützen

Oder aber ihr kommt mit auf unsere PolitAkademie nach Berlin. Hier habt ihr die Möglichkeit auch direkt mit Politiker*innen aller Parteien in Kontakt zu treten, an spannenden Workshops

zum Thema Antifeminismus teilzunehmen und nebenher noch Berlin zu erkunden. Interesse? Meldet euch über den folgenden Link an: https://on.campflow.de/ksj-bundesamt-ev/politakademie-2026



Kommentare


bottom of page