PolitAkademie 2025
- Finn Eilts

- 2. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Rechtsruck – Auswirkungen auf Asyl‑ und Migrationspolitiken
Vom 14. bis 19. September 2025 reisten wir nach Berlin, um uns intensiv mit den Themen Rechtsruck und Migrations‑ bzw. Asylpolitiken auseinanderzusetzen – und vor allem herauszufinden, wie stark diese beiden Bereiche miteinander verwoben sind.
Sechs Tage voller Programm lagen vor uns:Wir sprachen mit Menschen, die in unterschiedlichsten Bereichen arbeiten – mit Abgeordneten, mit Aktivist*innen, mit Medienprofis. Wir lernten ihre Arbeit kennen, hörten konkrete Erfahrungen, und sahen, wie Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft miteinander wirken. Und natürlich: Wir erkundeten Berlin – von politischen Orten über Geschichte, gesellschaftliche Orte bis hin zur lebendigen Stadt im Wandel.
Unser Auftakt
Am ersten Tag bei der PolitAkademie starteten wir damit, uns als Gruppe zusammenzufinden. Es ging nicht nur ums Kennenlernen – wir haben direkt diskutiert: Welche Standpunkte bringt jede und jeder mit? Welche Erfahrungen haben uns geprägt, und wo sehen wir Konflikte oder Unsicherheiten? Gemeinsam haben wir herausgefunden, welche Themen uns besonders interessieren – z. B. wie stark Rechtsruck schon Alltag ist, welche Rolle Politik und Medien dabei spielen, und wie es z. B. mit Menschenrechten aussieht. Aus diesen Gesprächen entstanden auch unsere zentralen Fragestellungen, denen wir in den kommenden Tagen nachgehen wollen.
Einstieg Rechtsruck & Migrationspolitiken
Zuerst besuchten wir einen Workshop von apabiz, in dem wir lernten, wie rechte Bewegungen sich heute strukturieren: Welche Ideologien wirken, wie sie Rhetorik, Netzwerke und Alltagspraktiken durchziehen.
Anschließend ging’s weiter mit einem Besuch der Ausstellung „Global Fascisms“ im Haus der Kulturen der Welt. In der Ausstellung wurden historische und aktuelle Formen faschistischen Denkens und Handelns gegenübergestellt, mit Kunstwerken, Medienformen und Diskursen, die zeigen, wie Identität, Gemeinschaft und Zugehörigkeit instrumentalisiert werden.
Den Tag ließen wir mit einem Kinoabend ausklingen: Wir sahen die Dokumentation „Kein Land für Niemand – Abschottung eines Einwanderungslandes“. Der Film führt uns zu den Außengrenzen Europas, begleitet Rettungsmissionen auf dem Mittelmeer, zeigt Lager für Geflüchtete und beleuchtet die politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Diskurse, die zunehmend auf Abschottung statt Schutz ausgerichtet sind
Am nächsten Tag verschmolzen für uns Theorie, Praxis und Erinnerung: Wir hörten bei Fatima Remli, wie mediale Berichterstattung Debatten um Mobilität, Grenzen und Schutz prägen. Danach trafen wir den Vormundschaftsverein der Caritas und bekamen Einsicht in die Lebensrealitäten unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter – wie politische Rahmenbedingungen ihren Alltag direkt beeinflussen. Die anschließende Tour durch die Flucht‑ und Migrationsgeschichte Berlins setzte den Kontext: Wie haben sich Stadt, Erinnerungsorte und Konflikte entwickelt? Am Ende des Tages lag der Fokus auf Kreuzberg: In Debatten über Straßenumbenennung wurde deutlich, wer sichtbar gemacht wird im Stadtraum. Der Görlitzer Park zeigte sich als umkämpfter öffentlicher Raum – Proteste gegen geplante Einzäunungen verdeutlichten, dass hier Fragen von Sicherheit und Freiheit konkret verhandelt werden. Die Besetzung des Oranienplatzes durch Geflüchtete bleibt ein starkes Symbol dafür, wie Raum beansprucht wird, um politische Forderungen hörbar zu machen.
Gespräche im Bundestag
Am vierten Tag der PolitAkademie standen politische Gespräche und die Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur im Mittelpunkt. Zunächst trafen wir Filiz Polat, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, sowie eine Mitarbeiterin von Serap Güler, Staatssekretärin für Integration. In einem intensiven Austausch diskutierten wir aktuelle migrationspolitische Themen und die Herausforderungen einer gerechten Asylpolitik. Anschließend besichtigten wir den Bundestag und die Reichstagskuppel, um Einblicke in die parlamentarische Arbeit und die Architektur des politischen Zentrums zu erhalten. Der Tag endete mit dem Film „Das Deutsche Volk“, einer Dokumentation über die Angehörigen der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau im Februar 2020. Der Film beleuchtet eindrucksvoll die Geschichten der Hinterbliebenen und ihren Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit. Durch diesen Film wurden wir erneut mit der Realität von Rassismus und den Auswirkungen auf die Gesellschaft konfrontiert.
Morgens besuchten wir die taz, eine unabhängige Tageszeitung, und erhielten Einblicke in die redaktionelle Arbeit sowie die Herausforderungen des Journalismus in Zeiten von Fake News und politischer Polarisierung. Anschließend trafen wir Mitarbeiter*innen von Sanae Abdi, SPD-Bundestagsabgeordnete für Köln, die uns Einblicke in ihre Arbeit als Sprecherin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gaben und über aktuelle politische Themen diskutierten. Der Tag endete mit einem Gespräch mit Gökay Akbulut, migrations- und frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, die ihre Perspektiven und Erfahrungen in der Politik teilte. Diese Begegnungen vertieften unser Verständnis für die Verknüpfung von Politik, Medien und Gesellschaft. Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsamer Ausklang, bei dem wir die Erlebnisse der Woche reflektierten und unsere Eindrücke austauschten.
Ausklang
Am letzten Tag der PolitAkademie standen Reflexion und Diskussion im Vordergrund: Wir tauschten uns darüber aus, welche Erkenntnisse und Erfahrungen wir mitnehmen und wie wir uns in Zukunft politisch engagieren wollen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen ließen wir die intensive Woche ausklingen, bevor die Abreise begann. Dieser Abschluss gab uns die Möglichkeit, unsere Gedanken zu bündeln und motiviert in die Zukunft zu starten.



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